KunstRätsel 050

Was sehen wir? Wen sehen wir? Wer spricht? Ganz gut, richtig angenehm, fühlte es sich an im Stein. Andrea hatte ihre Ruhe, musste nicht schön schauen und überhaupt rückt die Welt rundherum erstaunlich rasch weit weg. Johannes, der stellvertretende Sprecher, wird gesehen, stellt sich den fragenden Blicken. Jemand, vielleicht die Künstlerin, entzieht sich. Sie hat eine Sprecherin namens Duldung, die für sie in Kontakt mit der Welt geht, mit all denen die willig und gierig sind, Aufmerksamkeit umzuverteilen. Ja, Venedig. Kaum ein anderes Kunstereignis in Europa erhält so viel mediale Resonanz wie alles in Venedig ausgestellte, mal abgesehen von der Konzept-Banane mit italienischen Wurzeln, die wir im Jänner an unserer Küchentür kleben hatten. Viel präsenter als die tatsächlichen deutschen Kunstwerke (Videos in der die Künstlerin mit Stein-statt-Kopf herumgeht) waren Fotos, die sie neben ihrer Sprecherin zeigten. Herr Schwarz, wer macht die Kunst? Die Kurator*innen, die Kunstkritiker*innen, die Galerist*innen, die Künstler*innen, das Budget? Wir sehen, dass wir etwas nicht  sehen, nämlich den Kopf der Künstlerin.  Zumindest im Original versteckte sich eine richtige Künstlerin. Ich als Kunsthistorikerin scheu mich davor, mir diesen Titel aufzusetzen. Aber in ihre Rolle, in ihr Outfit kann ich schlüpfen, und so tun als ob. Ja, ja, die Ökonomie der Aufmerksamkeit und die Künstler*innen, die nicht gesehen werden. Es läge an der Sternkonstellation meiner Geburt, wurde mir mal gesagt. In diesem Sinne tun wir weiter so, als ob wir große Künstler seien und sind damit zwar nicht in Venedig, aber bereits im zweiten Monat des fünften KunstRätsel Jahres unterwegs.

Welche Künstlerin war mit Stein-Kopf-Maske in Venedig präsent?

Lösung des Jänner 2020 KunstRätsel: Maurizio Cattelan war der Mann, der bei der Art Basel / Miami Beach eine Banane an die Wand klebte.

Rosa + Friends rätseln

Es gibt da diese eine Bushaltestelle in Krumau…

Vielleicht kann sich ja der ein oder andere noch erinnern, da gab es das Kunsträtsel 035. Ursprünglich waren es Andrea Fröhlich und Johannes Schwarz, die diese Bushaltestelle für das Remake der Arbeit von Adrian Piper wählten. Jetzt ist es Rosa mit ihren Freunden, die das Kunsträtsel neu interpretiert. Ein Remake vom Remake quasi. Seht selbst! Der erste Versuch, jedoch noch ohne professionellem Fotografen, es musste also ein Selfie reichen. Von links nach rechts Jassi, Rosa und Flo.

Mehr Bilder aus der Reihe gibt es hoffentlich bald! Stay tuned:)

KunstRätsel 049


Wenn es ein Kunstwerk auf die Titelseite von HEUTE schafft, kann es sich nur um ein Meisterwerk handeln. Zudem war ein Objektfoto auch auf den Titelseiten internationaler Zeitungen wie der New York Post zu finden und online wurde es rauf und runter geinstagramt, kommentiert und parodiert. Bei uns gibt es inzwischen auch keine Banane mehr zu holen – Pippilotta hat sie in Form von Bananenmilch verspeist. Aber Karotte und Schnittlauch sind noch zu haben, falls jemand ebenfalls 120 000 Dollar dafür zahlen will, hier der IBAN: AT 3411 0000 0210 4107. Nach Zahlungseingang legen wir ein Exemplar für Sie zur Seite. Aber halt, es geht ja nicht tatsächlich um die Banane, die Karotte oder den Schnittlauch. Das Objekt ist lediglich Belegexemplar eines Konzeptes, einer Idee, das als Zertifikat mit den damit verbundenen Rechten, verkauft wird. Der Künstler, gebürtiger Italiener, dieser Instantkunst beweist, dass das über hundert Jahre alte Prinzip des Readymades immer noch funktioniert: Es macht eben einen Unterschied, ob man als Banane im Supermarktregal, auf der Art Basel/Miami Beach oder bei uns an der Küchentür zu finden ist. Es ist dieser Zauber der immerfort wirkt und funktioniert: banale Alltagsobjekte können durch Kontextveränderung scheinbar unendlich erhört werden. Aber wäre diese Banane nicht auch eine gute Gelegenheit über Bananen nachzudenken. Warum kann sie nur 30 Cent kosten, obwohl sie vom anderen Ende der Welt kommen? Welche Mechanismen verbergen sich hinter diesem Wunder?

Dezember 2019: Hannah Höch – von ihr stammt das Buch „Bilderbuch“ aus dem Verlag „thegreenbox“, zu dem wir für das 48. KunstRätsel das Lüppenbaz schufen.

KunstRätsel 048

Das Lüppenbaz
Wir trafen es unterwegs,
auf der Suche nach mistigen Plätzen.
Dort eine sandige Stelle, da ein dreckiger Fleck,
will sich hinein fletzen ganz keck.
Das Lüppenbaz lebt ohne Sorgen um seinen weißen Schick,
immer nur das Wuzeln und Wälzen hat es im Blick.

Mit ihren politischen Fotomontagen wurde unsere Künstlerin des Dezember Rätsels bereits in den frühen Jahren der Zwischenkriegszeit bekannt. Sie war Mitglied der Berliner Dadaisten, verarbeitete anfangs ihre Haltung gegenüber den konservativen Werten der Weimarer Republik. Dann wandte sie sich der Repräsentation und Rezeption des Fremden zu um in weiterer Folge auch die zunehmende Macht der Nazis in Collagen zu reflektieren. Unser Lüppenbaz bezieht sich jedoch auf das von ihr 1945 gestaltete Bilderbuch. Sie entwickelte dafür 19 Fantasiewesen in Collage und Text. Obwohl damals bereits renommiert, fand sich erst nach ihrem Tod 1978 ein Verleger, der 200 Exemplare produzierte. Aktuell hat The Green Box Berlin eine neue Auflage herausgegeben.
Für ihre Fotomontagen schöpfte sie aus der damals noch sehr neuen Bilderflut der in Masse aufgelegten Populärmagazine mit Fotografien. Damit war es möglich fremde und vertraue Elemente aufeinander treffen zu lassen. Ihre letze große Collage aus dem Jahre 1972/73 trägt den programmatischen Titel “ Lebensbild“. Untrennbar ist sie als Künstlerin mit der Geschichte und Entwicklung der Collage als künstlerisches Medium verbunden.

Welche Künstlerin suchen wir dada?

November KunstRästels Lösung: Helen Marten war es, die die Brotmänner buk.

KunstRätsel 047


Vom Kunstwald im Oktober kommen wir im November zum Kunstbrot. Kunstwald, Kunstbrot, KunstRätsel. Womit haben wir es hier zu tun? Soll das etwa schon ein missratener Teig-Krampus sein? Ohne Rute, dafür mit Rückentrage und Zigarette, irgendeine „neumoderne Figur“, die man vielleicht kennen sollte? Irrtum! Hier haben wir es ja nicht mit Brot zu tun! Hier haben wir es mit Kunst zu tun. Gefertigt hat den originalen Brotmann eine britische Kunstbäckerin, aus Gießharz, dem Verbundwerkstoff Jesmonite und Marmor. Sie erhielt für ihre Arbeit den Turner Prize.
Der Brotmann gehört zum Buffet der Kunstjause, das sich in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr füllte: Cleas Oldenburg servierte einen Floor Burger (1962), von Fischli und Weiss gab es Wurst (1979) und Peter Anton verwöhnt mit sehr Süßem (seit 2012). Auch zu Trinken gibt es: Zwei Ale Cans von Jasper Johans (1964) und das Kunst-Buffet ließe sich weiter füllen. Weiß jemand, ob die zwei Sportgummi-Bilder im Linzer City Kino noch hängen?
Der von Johannes gebackene Brotmann reiht sich nicht in die Serie der ready mades und pseudo-ready mades. Wir hätten ihn essen können, aber durften nicht. Das tägliche Brot macht bei uns oft Johannes. Ein Bäckermeister im Haus ist unbezahlbar. Wenn wir es kaufen, irritieren uns die hohen Preise des täglichen Brotes immer wieder. Online lässt sich nicht feststellen wie viele Brotmänner die von uns gesuchte Künstlerin gebacken hat. Jedenfalls waren ihre Kunstbrote für 1440£ zu haben und rasch ausverkauft. Vielleicht sollten wir die Johannes-Wecken auch als Kunstbrot verkaufen?

Welche Künstlerin schuf den Brotmann?

Oktober: Klaus Littmann ist der Kopf hinter dem von uns interpretierten Kunstwald „For Forest“, der derzeit umgepflanzt wird.

KunstRätsel 046

Ob wir finden, dass es ein Kunstwerk sei, wurden wir gefragt. Und ob es ein Kunstwerk ist: mit großer Gerätschaft künstlich positioniert, künstlich bewässert, langfristig konzipiert und organisiert, theoretisch untermauert und mit einem Bedeutungsüberschuss, der sich nie vollständig erschließt.
Aber wir könnten uns DAS ja genauso gut bei uns daheim anschauen, direkt hinter dem Haus, wurde uns gesagt, als  wir erzählten, dass wir sooo weit fahren werden um ES zu sehen. Dort, direkt hinterm Haus, könnten wir sogar darin herumgehen. Stimmt, aber auch das ist kein Urwald, sondern gepflegter und umsorgter Nutzwald. Wenn schon kein Kunstwerk, so doch ein Kulturprodukt.
Wie lang ist es her, dass Kunst und Natur in Opposition gedacht werden konnten? Seit geraumer Zeit wird davon gesprochen, dass wir im Antropozän leben, also im Zeitalter, indem der Mensch die Erde in einer Art und Weise bestimmt, verändert und geprägt hat, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Die Schein-Natur inmitten der gebauten Konstruktion schafft ein eindrückliches Bild, ein Mahnmal dafür, dass die Natur schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Bis Ende des Monats kann unser Bezugswerk noch IN ECHT gesehen werden! Es zahlt sich aus!
Auf welches Kunstwerk bezieht sich unser Oktober KunstRätsel?

Andy Goldsworthy ist unser September-Künstler.

KunstRätsel 045


Nicht von allen Kunstwelt-Menschen als Künstler so richtig ernst genommen wird der Brite mit dem wir uns diesen Monat befassen. Er sei zu dekorativ, zu hübsch und pittoresk, sein Werk habe wenig kritisches Potential und überhaupt mangelt es ihm an künstlerischem Mehrwert, meinen sie. Zwei Parameter sind wesentlich für sein Schaffen: Zeitlichkeit und Naturmaterialien. Ersteres ist ein Grund dafür, weshalb sein Werk vor allem durch seine Fotografien bekannt wird: Es gibt sie nicht mehr. Zudem schafft er viele von ihnen irgendwo in entlegenen Gegenden. Wenn man von ihnen erfährt, sind sie bereits wieder vergangen. Durch eine Doku, die auch bei uns in den Kinos lief, wurde er im Jahr 2001 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.Die für ihn bislang spektakulärste Aktion inszenierte er 2001 in London am Tag der Sommersonnenwende: Mit einem Sattelschlepper ließ er in nächtlicher Aktion dreizehn Schneebälle, von denen jeder einen Durchmesser von rund eineinhalb Metern und ein Gewicht von ein bis zwei Tonnen hatte, nach London transportieren. Londoner Bürgerinnen und Bürger, die am Morgen auf die überlegt platzierten Schneebälle trafen, interagierten mit ihnen, veränderten sie und beobachteten den Schmelzprozess, der unterschiedliche Materialien zu Tage brachte. Von wem stammen die sommerlichen Schneebälle?

Die unendliche Säule stammt von Constantin Brancusi. Wir besuchten sie im August in Targu Jiu, Rumänien. Unsere Variante einer unendlichen Säule kann bei uns im Wald besichtigt werden.