KunstRätsel 045


Nicht von allen Kunstwelt-Menschen als Künstler so richtig ernst genommen wird der Brite mit dem wir uns diesen Monat befassen. Er sei zu dekorativ, zu hübsch und pittoresk, sein Werk habe wenig kritisches Potential und überhaupt mangelt es ihm an künstlerischem Mehrwert, meinen sie. Zwei Parameter sind wesentlich für sein Schaffen: Zeitlichkeit und Naturmaterialien. Ersteres ist ein Grund dafür, weshalb sein Werk vor allem durch seine Fotografien bekannt wird: Es gibt sie nicht mehr. Zudem schafft er viele von ihnen irgendwo in entlegenen Gegenden. Wenn man von ihnen erfährt, sind sie bereits wieder vergangen. Durch eine Doku, die auch bei uns in den Kinos lief, wurde er im Jahr 2001 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.Die für ihn bislang spektakulärste Aktion inszenierte er 2001 in London am Tag der Sommersonnenwende: Mit einem Sattelschlepper ließ er in nächtlicher Aktion dreizehn Schneebälle, von denen jeder einen Durchmesser von rund eineinhalb Metern und ein Gewicht von ein bis zwei Tonnen hatte, nach London transportieren. Londoner Bürgerinnen und Bürger, die am Morgen auf die überlegt platzierten Schneebälle trafen, interagierten mit ihnen, veränderten sie und beobachteten den Schmelzprozess, der unterschiedliche Materialien zu Tage brachte. Von wem stammen die sommerlichen Schneebälle?

Die unendliche Säule stammt von Constantin Brancusi. Wir besuchten sie im August in Targu Jiu, Rumänien. Unsere Variante einer unendlichen Säule kann bei uns im Wald besichtigt werden.

KunstRätsel 044

Auf unserer Radreise von Linz ins Donaudelta kommen wir ins Geburtsland eines Künstlers, der 1904 von dort zu Fuß aufbrach um nach Paris zu emigrieren. Jahre später, 1918, schuf er eine der radikalsten Skulpturen des 20. Jahrhunderts: Wo fängt sie an? Wo hört sie auf? Was stellt sie dar? Worauf bezieht sie sich? Wo hört die Kunst auf? Wo fängt der Alltag an? In seinem nachgebauten Atelier auf dem Platz vor dem Centre Pompiou, Paris, sind mit anderen Versatzstücken und prozesshafte Skulpturen Varianten dieser extrem vertikalen Arbeit aus Holz und Beton ausgestellt. Und in Rumänien steht sie als 30 Meter hohes Werk. Wo hört die Kunst auf? Wo fängt das Leben an? Wer schuf diese scheinbar endlose Säule?

Zum Juli-Rätsel: Aus Bulgarien stammt Christo Wladimirow Jawaschew, der als Christo breite Bekanntheit erlangte. Karl-Markus Gauß, der immer wieder an den östlichen Rändern Europas unterwegs ist, meint lachend, dass Christo sich doch auch um die Verpackung der kommunistischen Monumentalskulpturen kümmern könnte. Nachzulesen in Karl-Markus Gauß „Zwanzig Lewa oder tot. Reisen nach Moldawien, Serbien, Kroatien und Bulgarien. Zsolnay, Wien 2019.

KunstRätsel 043

Der Künstler mit bulgarischer Herkunft, den wir diesen Monat aufgreifen, wird in situ 1:1 in unterschiedlichen Varianten und Ländern, in verschiedenen Kontexten, wissentlich und unwissentlich „nachgebaut“. Dementsprechend haben wir dieses KunstRätsel auch nicht aktiv konstruiert oder inszeniert. Wir schaffen kein Simulacrum, keine Kopie, keine Imitation. Wir finden direkt bei uns im Fröhlichland ein Werk. Johann ist dafür verantwortlich. Wir suchen damit einen leidenschaftlichen, über Jahrzehnte aktiven Verpacker. Die Motivationen der beiden sind sehr unterschiedliche, die Optik der Verpackten „Objekte“ einander sehr ähnlich. Der von uns gesuchte Künstler feiert heuer seinen 80er, Johann seinen 70er. Beiden wünschen wir ein langes freudvolles Schaffen. Der von uns gesuchte Künstler wurde reich, lebt in NYC und arbeitete weiterhin an Verpackungen. Johann hütet das Fröhlichland und gibt alles dafür, dass unser Reisig und Holz trocken bleibt.

Auf wessen Schaffen beziehen wir uns mit Johanns Mitarbeit in diesem Monat?

Zum Juni-KunstRätsel: Gelitin sind die unerschrockenen, schamlosen Jungs, die in die Wachau eine Nase hingestellt haben.

KunstRätsel 042

Wären wir mutiger würden wir die geschissenen Buchstaben, also das “ Kakabet“, der von uns gesuchten Künstlergruppe nachkacken. Wären wir schamloser, würden wir ein Foto im Sinne der Serie „Ständerfotos“ veröffentlichen. Wären wir ungenierter, würden wir uns als lebendige Kerzenständer oder als Arc de Triomphe, der 2003 vor dem Salzburger Rupertinum für einen klassischen Kunstskandal sorgte, inszenieren. So interpretieren wir ein doch ziemlich harmloses, begehbares Objekt, das 2014 in der Wachau der Öffentlichkeit überlassen wurde.
Unter dem von uns gesuchten Künstler-Gruppennamen arbeiten vier Männer zusammen, die sich der Legende nach 1978 als Kinder in einem Sommercamp kennenlernten. Mit ihren oft provokanten Arbeiten waren sie international von Moskau bis Gwangju, Paris, Bregenz und 2001 auch auf der Biennale in Venedig vertreten. Derzeit haben sie zudem an der Linzer Kunst-Uni eine Professur inne.
 
Mai-Rätsel: Mona Hatoum war es, die ihre Springerstifel hinter sich her zog.

KunstRätsel 041


Ganz einfach – Schuhe, die ihren Zweck nicht erfüllen. Vom Parkplatz sind wir in Richtung Kaffeehaus unterwegs. Anstatt der Springerstiefel, die auf dem gesuchten Original zu sehen sind, kommen meine guten Waldviertler hinter mir her. Meinen Weg gehe ich freiwillig, vergnügt und ohne irgendwie bedroht zu sein. Die Umstände waren für die von uns gesuchte Künstlerin ganz andere. Ihre Familie erlebte generationenübergreifend erzwungene Mobilität/Migration. Die Künstlerin mit palästinensischer und libanesischer Herkunft lebt heute in London und Berlin.
Das von uns aufgegriffene Foto stammt aus einer Performance. Zwischen 1980 und 1988 machte sie zahlreiche Straßenperformances – Roadworks, die das unbeteiligte Passanten zu Publikum machen. Als sie Mitte der 1980 Jahre barfuß durch London lief, reagierte sie damit zudem auf die Rassenunruhen zwischen schwarzer Bevölkerung und weißer Polizei. Ihre Performance verweist auf ungleiche Chancen, Diskriminierung und dem Widerstand dagegen. Die Springerstiefel waren ein divers zu lesendes Symbol: Punk?, Skinhead?, Polizei? Ganz einfach und so prägnant.

April-April-Lösung: Ernst Jandl fragte danach, wo denn der König von Humor bleibt.

KunstRätsel 040


Damit uns das Lachen nie und nicht und nimmer vergeht. Die drängende Frage nach dem Humor haben wir uns als „Nicht-Vergessen-Sticker“ an die Wand geklebt. Anstoß dafür war eine Zeichnung, ein Portrait, das uns ein guter Bekannter, Physiker und Künstler, schenkte. Der von uns gesuchte Wortkünstler, gebürtiger Österreicher mit den Lebensdaten 1925 – 2000, ist darauf zweifach abgebildet. Wir könnten mit diesem Kunsträtsel also nach zwei Künstlern fragen: Von wem stammt das Portrait? Vom wem stammt das Gedicht? Wir fragen nach letzterem. Er selbst sagte auf die Frage, zu welcher poetischen Richtung er zu zählen sei „man nimmt nach Belieben ‚zu keiner‘ oder ‚zu meiner‘ als eine Antwort“. Mehr Hinweise gibt es zu diesem verzwickten KunstRätselFall nicht. Wir behaupten, man muss ihn kennen.

Zur Lösung des März-Rätsel: Rotraut Susanne Perner ist die von uns als Familie sehr geschätzte Kinderbuchgestalterin.

KunstRätsel 039


Bedingt durch unseren Familienzuwachs ändern wir unsere Lektüregewohnheiten: Unsere Bibliothek umfasst jetzt neben kunst- und kulturtheoretischen Publikationen, Klassikern der Literaturgeschichte und aktueller Belletristik zunehmend auch das Spektrum Kinderbuch. In den Kosmos einer deutschen Kinderbuchgrafikerin tauchen wir mit diesem KunstRätsel. Nicht nur unser Löwenmädchen sondern auch wir sind von Wimmlingen und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern angetan. Sowohl von Buchseite zu Buchseite als auch durch die Jahreszeiten entfaltet sie einen Kosmos an größeren und kleineren Geschichten, alltagsnahe und detailreich ohne überladen zu wirken. Bei ihr findet man keine glupschäugigen Charaktere, keine Manga-Verschnitte in den menschlichen Proportionen, keine trendigen Posen und keine anbiedernde Kindersprache.
Besonders geliebt von uns wird der kleine Timmy, dem sein Hasenluftballon entwischt und der im Herbst die Ziege füttert bevor er mit seiner Mama zum Laternenumzug geht. Und dann gibt es da auch Petra, die immer und überall ein Buch dabei hat und liest – fast wie wir. Wer ist die Zeichnerin dieser Kinderbücher?

Lösung-Rebhuhn: Kurt Palm