KunstRätsel 046

Ob wir finden, dass es ein Kunstwerk sei, wurden wir gefragt. Und ob es ein Kunstwerk ist: mit großer Gerätschaft künstlich positioniert, künstlich bewässert, langfristig konzipiert und organisiert, theoretisch untermauert und mit einem Bedeutungsüberschuss, der sich nie vollständig erschließt.
Aber wir könnten uns DAS ja genauso gut bei uns daheim anschauen, direkt hinter dem Haus, wurde uns gesagt, als  wir erzählten, dass wir sooo weit fahren werden um ES zu sehen. Dort, direkt hinterm Haus, könnten wir sogar darin herumgehen. Stimmt, aber auch das ist kein Urwald, sondern gepflegter und umsorgter Nutzwald. Wenn schon kein Kunstwerk, so doch ein Kulturprodukt.
Wie lang ist es her, dass Kunst und Natur in Opposition gedacht werden konnten? Seit geraumer Zeit wird davon gesprochen, dass wir im Antropozän leben, also im Zeitalter, indem der Mensch die Erde in einer Art und Weise bestimmt, verändert und geprägt hat, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Die Schein-Natur inmitten der gebauten Konstruktion schafft ein eindrückliches Bild, ein Mahnmal dafür, dass die Natur schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Bis Ende des Monats kann unser Bezugswerk noch IN ECHT gesehen werden! Es zahlt sich aus!
Auf welches Kunstwerk bezieht sich unser Oktober KunstRätsel?

Andy Goldsworthy ist unser September-Künstler.

KunstRätsel 045


Nicht von allen Kunstwelt-Menschen als Künstler so richtig ernst genommen wird der Brite mit dem wir uns diesen Monat befassen. Er sei zu dekorativ, zu hübsch und pittoresk, sein Werk habe wenig kritisches Potential und überhaupt mangelt es ihm an künstlerischem Mehrwert, meinen sie. Zwei Parameter sind wesentlich für sein Schaffen: Zeitlichkeit und Naturmaterialien. Ersteres ist ein Grund dafür, weshalb sein Werk vor allem durch seine Fotografien bekannt wird: Es gibt sie nicht mehr. Zudem schafft er viele von ihnen irgendwo in entlegenen Gegenden. Wenn man von ihnen erfährt, sind sie bereits wieder vergangen. Durch eine Doku, die auch bei uns in den Kinos lief, wurde er im Jahr 2001 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.Die für ihn bislang spektakulärste Aktion inszenierte er 2001 in London am Tag der Sommersonnenwende: Mit einem Sattelschlepper ließ er in nächtlicher Aktion dreizehn Schneebälle, von denen jeder einen Durchmesser von rund eineinhalb Metern und ein Gewicht von ein bis zwei Tonnen hatte, nach London transportieren. Londoner Bürgerinnen und Bürger, die am Morgen auf die überlegt platzierten Schneebälle trafen, interagierten mit ihnen, veränderten sie und beobachteten den Schmelzprozess, der unterschiedliche Materialien zu Tage brachte. Von wem stammen die sommerlichen Schneebälle?

Die unendliche Säule stammt von Constantin Brancusi. Wir besuchten sie im August in Targu Jiu, Rumänien. Unsere Variante einer unendlichen Säule kann bei uns im Wald besichtigt werden.

KunstRätsel 044

Auf unserer Radreise von Linz ins Donaudelta kommen wir ins Geburtsland eines Künstlers, der 1904 von dort zu Fuß aufbrach um nach Paris zu emigrieren. Jahre später, 1918, schuf er eine der radikalsten Skulpturen des 20. Jahrhunderts: Wo fängt sie an? Wo hört sie auf? Was stellt sie dar? Worauf bezieht sie sich? Wo hört die Kunst auf? Wo fängt der Alltag an? In seinem nachgebauten Atelier auf dem Platz vor dem Centre Pompiou, Paris, sind mit anderen Versatzstücken und prozesshafte Skulpturen Varianten dieser extrem vertikalen Arbeit aus Holz und Beton ausgestellt. Und in Rumänien steht sie als 30 Meter hohes Werk. Wo hört die Kunst auf? Wo fängt das Leben an? Wer schuf diese scheinbar endlose Säule?

Zum Juli-Rätsel: Aus Bulgarien stammt Christo Wladimirow Jawaschew, der als Christo breite Bekanntheit erlangte. Karl-Markus Gauß, der immer wieder an den östlichen Rändern Europas unterwegs ist, meint lachend, dass Christo sich doch auch um die Verpackung der kommunistischen Monumentalskulpturen kümmern könnte. Nachzulesen in Karl-Markus Gauß „Zwanzig Lewa oder tot. Reisen nach Moldawien, Serbien, Kroatien und Bulgarien. Zsolnay, Wien 2019.

KunstRätsel 043

Der Künstler mit bulgarischer Herkunft, den wir diesen Monat aufgreifen, wird in situ 1:1 in unterschiedlichen Varianten und Ländern, in verschiedenen Kontexten, wissentlich und unwissentlich „nachgebaut“. Dementsprechend haben wir dieses KunstRätsel auch nicht aktiv konstruiert oder inszeniert. Wir schaffen kein Simulacrum, keine Kopie, keine Imitation. Wir finden direkt bei uns im Fröhlichland ein Werk. Johann ist dafür verantwortlich. Wir suchen damit einen leidenschaftlichen, über Jahrzehnte aktiven Verpacker. Die Motivationen der beiden sind sehr unterschiedliche, die Optik der Verpackten „Objekte“ einander sehr ähnlich. Der von uns gesuchte Künstler feiert heuer seinen 80er, Johann seinen 70er. Beiden wünschen wir ein langes freudvolles Schaffen. Der von uns gesuchte Künstler wurde reich, lebt in NYC und arbeitete weiterhin an Verpackungen. Johann hütet das Fröhlichland und gibt alles dafür, dass unser Reisig und Holz trocken bleibt.

Auf wessen Schaffen beziehen wir uns mit Johanns Mitarbeit in diesem Monat?

Zum Juni-KunstRätsel: Gelitin sind die unerschrockenen, schamlosen Jungs, die in die Wachau eine Nase hingestellt haben.

KunstRätsel 042

Wären wir mutiger würden wir die geschissenen Buchstaben, also das “ Kakabet“, der von uns gesuchten Künstlergruppe nachkacken. Wären wir schamloser, würden wir ein Foto im Sinne der Serie „Ständerfotos“ veröffentlichen. Wären wir ungenierter, würden wir uns als lebendige Kerzenständer oder als Arc de Triomphe, der 2003 vor dem Salzburger Rupertinum für einen klassischen Kunstskandal sorgte, inszenieren. So interpretieren wir ein doch ziemlich harmloses, begehbares Objekt, das 2014 in der Wachau der Öffentlichkeit überlassen wurde.
Unter dem von uns gesuchten Künstler-Gruppennamen arbeiten vier Männer zusammen, die sich der Legende nach 1978 als Kinder in einem Sommercamp kennenlernten. Mit ihren oft provokanten Arbeiten waren sie international von Moskau bis Gwangju, Paris, Bregenz und 2001 auch auf der Biennale in Venedig vertreten. Derzeit haben sie zudem an der Linzer Kunst-Uni eine Professur inne.
 
Mai-Rätsel: Mona Hatoum war es, die ihre Springerstifel hinter sich her zog.