KunstRätsel 032


Die Figuren der Verweigerung in Zeiten in denen kapitalistische Kräfte in alles Private und Persönliche, Zwischenmenschliche und Familiäre eindringen, sind vielfältig. Vierzig Jahre ist es her, dass ein serbischer Künstler sich ins Bett legte und sein nichts tun zur künstlerischen Arbeit erklärte: Ich möchte lieber nicht. Im ersten zentralen Hauptausstellungsraum der Biennale in Venedig trafen wir auf seine Portrait-Serie. Er ist ein passiver Widerständler, eine randständige und geradezu romantisch erscheinende Gegenfigur zum aktuelle Prototyp des Künstlers, der als Manager mit Marketing-Expertise im Wallstreet-Outfit, als Organisator und Optimierer seiner selbst auftritt. Der damals noch in Jugoslawien lebende Künstler feierte die Unproduktivität und den Rückzug ins scheinbar Passive. Zweckfreie Zeiten, zweckfreie Räume, zweckfreie Begegnungen braucht der Mensch.

Die Box als ihr Schloss inszenierte Andrea Loux. Online ist nichts darüber zu finden, welche Räume die Schweizerin im Alltag bewohnt.

KinderHaus

Die Spreu vom Weizen zu trennen, war einst Aufgabe dieser Putzmühle. Sie ist auch unter diesen klingenden Namen bekannt: Rotationsworfelmaschine, Windfege, Kornfege, Windsichte, Fegemühle, Blähmühle, Getreidewinde und Getreidewehe. Jedenfalls wurde sie jetzt bei uns zum Kinderhaus.

KunstRätsel 031


Jeder hat sein Schloss, seinen Rahmen, seine Bühne, seinen Hafen, seinen Tellerrand oder auch seine Schachtel, in der er sich eingerichtet hat. Nicht auf unserem Garagenboden, sondern unter einem denkmalgeschützten Linzer Dachstuhl konnte man das Bezugswerk dieses Rätsels sehen, wenn man sich von Alice die Sinne verdrehen hat lassen. Wie heißt die Schweizer Künstlerin, die sich mit dem erschließen und bespielen von Räume auseinandersetzt?

Lösung KunstRätsel 030
Aus all diesen im Video genannten Teilen konstruierte Franz Gsellmann’s in den Jahren von 1958 bis 1981 seine Weltmaschine.

KunstRätsel 030


Exakt zum 60. Baubeginn-Jubiläum inszenieren wir zu einer Kunst-Maschine, die sowohl geographisch als auch hinsichtlich ihrer Bedeutung am Kunstmarkt weit ab von Venedig Biennale und lukrativen Sotheby-Versteigerungen angesiedelt ist. Ein kleiner Impuls, ein Zeitungsfoto des Atomium der Expo 1958 in Brüssel, war Anstoß für dieses Lebenswerk des Menschen, den wir suchen. Diese „die Welt“ in sich vereinende Maschine haben wir bereits drei Mal an dem Ort besucht, an dem es ursprünglich geschaffen wurde, nämlich außerhalb von Feldbach, außerhalb von Edelsbach, dort wo die Welt und das Leben in den Nachkriegsjahrzehnten noch recht Kaag war. Den Erbauer als österreichischen Jean Tinguely zu bezeichnen, lockt nur bedingt auf die richtige Fährte: oberflächlich betrachtet schufen zwar beide „bewegte Objekte durch Neukomposition von Second-Hand-Teilen“, aber während der eine zur erfolgreichen künstlerischen Avantgarde seiner Zeit zählte, wurde der andere als kompromisslosen Eigenbrötler angesehen. Klaus Ferentschik schrieb einen Roman über die Entstehungsgeschichte, Gerhard Roth einen Essayband und Peter Patzak machte, nach dem Drehbuch von Christine Nöstlinger, einen Film. Keine – oder vielleicht eine – Bauanleitung ist die im Video zu hörende Zutaten-Litanei, die bei Roth zu finden ist.
Die Maschine erzählt vom Leben eines Menschen, der gegen Norm und Ertragssteigerung, intensive Zeit und all seine finanziellen Ressourcen seiner Vision gewidmet hat. Die Maschine produziert optisches und akustisches Vergnügen und damit wird dieses KunstRätsel auch zum „Ausflugstipp für die ganze Familie“ in der Oststeiermark.
Wie heißen Kunstwerk und Erschaffer des von uns gesuchten Werkes?

Wer sich im Mai Zeit für Lyrik genommen hat, weiß vielleicht inzwischen, dass Sebastian 23 der von uns gesuchte Wortakrobat ist.

KunstRätsel 029

Bild

Diesen Monat verarbeiten wir ein Sprachkunstwerk, auf das wir durch Ö1 aufmerksam geworden sind. Die Kaskaden lehrreicher Sprachbilder stammen von einem Meister der deutschen Poetry Slam Szene, der die Zahl 23 anstatt seines Nachnamens führt. Sein Philosophie Studium als Basisbildung lies ihm in üppigen Happen Zeit für Lyrik. Eine Auswahl seiner Wort-Verdichtungen versammelte er unter dem ungewöhnlichsten Buchtitel 2016. Der, den wir suchen, fragt darin unter anderem, ob das Leben ein Umfall ist, erzählt die politisch korechte Fortsetzungsgeschichte von Dirk, Sören und Ronny (vulgo Karies-Hai), die zu besonderen Lieblingsfiguren von Johannes geworden sind und berichtet von seinen Versuchen Frauen kennen zu lernen.
Wie heißt der Wortakrobat, dem wir diesen Monat unser KunstRätsel widmen?

Die Lösung des letzten Rätsel, Monat Elke Silvia Krystufek.

SA 5. Mai 2018 – Markttag im Fröhlichland

Standlfrauen und Marktmänner am Markttag 2018

ALWIN SCHWARZ ist heuer für die Getränke zuständig und verkauft zudem sein Kinderspielzeug.

ANDREA FRÖHLICH lädt zum Schauen und Schmökern ins Atelier, wo es diesmal neben den Druckgrafiken auch Kinderbücher und den Collagen-Band „Wie soll ich leben?“ gibt.

GABRIELE DAXBERGER verkauft mit winterharten Blütenstauden und Rosenstöckchen, alles selbst aus Ablegern gezogen!

GÜLSEVER KARADENIZ und die Frauentruppe rund um sie, werden uns mit Lahmansun, Gösleme sowie türkischem Kaffee und Kuchen verwöhnen.

JOHANNA FRÖHLICH bietet ihr breites Sortiment an selbstgezogenen Gemüsesetzlinge an, auch aus dem Arche Noah-Samenarchiv: Rattenschwanzradies, Meerkohl, Glückskleerübchen und vieles mehr!

JOHANNES SCHWARZ hat KunstBlumenVasen und andere feine Dinge aus Holz, grad rechtzeitig für den Muttertag.

KARIN GEISHOFER verkauft an ihrem Stand Tischläufer aus Leitner-Leinen und Schaltücher aus Mohair und Seide.

LYDIA SCHÄFL kommt mit Kisten voller selbstgenähter Kinder- und Babybekleidung. Die bunten Mützen und Kleidungsstücken machen Freude beim Schenken und Tragen.

MANFRED und HELGA WEULE bringen ihre Bücher, Tierkarten, vielleicht auch ihre Instrumente sowie ihre weiteren Angebote, die damit verbunden sind.

MATHILDE MÜHLBACHLER verkauft ihre traditionellen Gemüsepflanzen: Kohlrabi, Karfiol, und vieles mehr, das in einem klassisch Selbstversorger-Garten zu finden ist.

MARGIT MEHRWALD zeigt wie schick und schmückend Draht sein kann.

MARGOT CAMPBELL steht für „Glass artifacts and curiosities“. Sie bringt schicke Upcycling-Produkte und Mehrerlei in Kupferfolientechnik.

REGINA WIKLICKY bringt Gartenblumen zum Aussetzen, sowie edle Papier-Produkte und Wachs-Frischhaltepapier.

ULRIKE PUCHNER kommt mit ihren handgemachten Unikaten aus Keramik für Garten und Wohnraum.

Kost nix: Auch ein Kost Nix Tisch und ein Kleider-Flohmarkt wird wieder eingerichtet werden. Wenn du also Dinge zu verschenken hast, die jemand anderer noch gut brauchen kann – bringt sie mit! Vielleicht findest du statt dessen etwas anderes für dich am Kost nix Tisch!

Anreise
Gunnersdorf 5, 4240 Lasberg/Freistadt
und für alle die selbstorientiert ohne GPS unterwegs sind: Von Lasberg kommend – über Steinböckhof nach Gunnersdorf, bis zum dunkelgelben Haus am Waldrand links. Von Freistadt kommend – Richtung St. Oswald dann beim Schild Gunnersdorf rechts in den Wald rein, durch die Siedlung durch, dann rechts am Waldrand.

Mit etwas Glück wird es ein frühlingshaft sonniger Tag und wir machen Lagerfeuer und Zusammensein am Waldrand!
Wir freuen uns, auf die diejenigen, die sich mit Pflänzchen für ihren Garten versorgen, auf die, überhaupt keine Pflänzchen sollen, sondern sich einfach ans Lagerfeuer setzen, auf die, die mal schauen, was es so schickes und feines gibt und überhaupt.

KunstRätsel 028

Der österreichischen Künstlerin, die wir dieses Monat aufgreifen, gelang mit ihrer ersten Performance 1990 ein karrierefördernder Skandal: Sie fügte sich Wunden zu, um sich anschließend mit dem Blut selbst zu bemalen. Silvia, ach Silvia! Wie damals ist in ihren Arbeiten Inszenierung und Realität, Fiktives und faktisches oft nicht zu trennen. Sie spielt mit der Rolle der Künstlerin als öffentliche Person versus ihrem Privat- und Intimleben, bearbeitet das Thema der Aufmerksamkeit und Selbstinszenierung als Star, etabliert Bezüge innerhalb der Kunst und thematisiert die Spannung zwischen Epigone und Originalität. Jede Silvia, jede Andrea als eigenes Kunstwerk?
Seit den 1980er Jahren dokumentiert und inszeniert sie sich und ihr Leben in verschiedenen Medien: Malerei, Fotografie, Video und Performance. Sie geriet mehrfach in gerichtliche Konflikte mit Galeristen und ließ bei einer über drei Jahre lang geplante Ausstellung einfach weiße Wände eröffnen – eine konzeptuelle Geste? Silvia, ach Silvia! Eine große Werkschau mit Werken gab es 2003 im Essl Museum und 2009 repräsentierte sie Österreich auf der Venedig Biennale.
Das Projekt Cat Woman spielte sie London. Silvia, ach Silvia! Es wurde indirekt in der Sendung Willkommen Österreich diesen Jänner vorgestellt. Wie so oft gab es auch dabei keine Bühne, keine Galeriewand und keine Museumsschwelle ̶ „Wozu auch?“ sagte die von uns gesuchte Künstlerin lakonisch. Silvia, ach Silvia!
Wen suchen wir diesen Monat mit Cat Woman?

RätselLösung März
Mit dem Rätsel des vergangenen Monats haben wir uns auf Fiona Hall und ihre Arbeit im australischen Pavillon in Venedig 2015 bezogen. Als Nachtrag eine Textstelle aus dem sehr aufschlussreichem Buch „Entlang der Gräben“ von Navid Kermani. Er gib ein Statement des polnischen Schriftstellers Adam Zagajewski wieder: „Man könne nicht ständig die Engstirnigkeit, die Borniertheit, die Angst bekämpfen, sagt er, das mache auf Dauer blöd. Vielmehr müsse man zeigen – in der Gesellschaft, in der Kultur, in Büchern, im alltäglichen Miteinander -, daß sich die Offenheit lohnt, daß sie Spaß macht, daß sie schön ist, daß sie einen weiterbringt als der Rückzug. Mit Langeweile rette man Europa nicht.“
(Navid Kermani, Entlang der Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan, München 2018, S. 33)

MerryBlack

Sie wissen nicht wer oder was MerryBlack ist?
Auf diesem youtube Kanal sammeln wir unsere Video-Clips, die zum Teil für unsere KunstRätsel als auch aus anderen Anlässen entstanden sind und noch entstehen werden. Wie wir zum Namen MerryBlack kommen, lassen wir an dieser Stelle ungeklärt – und es ist hiermit ein ungelistetes (Kunst)Rätsel.
Mit lieben Grüßen, Fröhlich + Schwarz

KunstRätsel 027

Die Welt als Wunderkammer tat sich vor uns auf, als wir das Bezugswerk dieses KunstRätsel 2015 in Venedig in einem neu errichteten Länderpavillon entdeckten. Nebenwirkungen von Globalisierungsprozessen, Verschränkung von Kulturgut und Naturfundstück, Handwerkskunst und Material-Shifts, diese Gedankenfelder werden vor den Vitrinen und Schauwänden, die die von uns gesuchte Künstlerin geschaffen hat, angestoßen. In einer der Wunderkammer-Vitrinen waren diese auf den ersten Eindruck verspielt und leicht wirkenden Brot-Tableaus aufgebaut. Schaut man genau, entdeckt man ungemütliche Weltbilder: Rot-Keuz-Zeltlager auf Ländern des Mittleren Osten, Atomkraftwerk-Kühltürme auf japanischen Inseln, Gebäude-Ruinen auf Erdbebengebieten und weltweit Zäune, Mauern, Sperranlagen. Nicht nur weit weg von uns werden Grenzen verstärkt hochgezogen: USA-Mexiko, Sudan-Südsudan, Nordkora-Südkorea, Israel-Palästina, Indien-Pakistan, um nur einige der weltweit bestbewachten menschengemachten Grenzen zu nennen. Vor unserer Haustüre wird an mehreren Regionen die EU-Außengrenze „dicht gemacht“ und „mit massiver Bedrohung der inneren Sicherheit“ argumentiert. Unserer Erfahrung entspricht es nicht, dass Abschottung und Ausgrenzung von “ allem und allen Anderen“ das Leben reicher, genussvoller und lebendiger machen.
Diese Brot-Welt-Karten entstanden von 2014 bis 2015 unter dem Titel „Crust“. Die Kuste: das Brot, die Erde.
Wer ist die von uns gesuchte Künstlerin?

Die Künstlerin des KunstRätsels 026, Februar 2018, ist Louise Bourgeois und ihrer Geschichte zur Mandarinenschale gewidmet.