KunstRätsel 041


Ganz einfach – Schuhe, die ihren Zweck nicht erfüllen. Vom Parkplatz sind wir in Richtung Kaffeehaus unterwegs. Anstatt der Springerstiefel, die auf dem gesuchten Original zu sehen sind, kommen meine guten Waldviertler hinter mir her. Meinen Weg gehe ich freiwillig, vergnügt und ohne irgendwie bedroht zu sein. Die Umstände waren für die von uns gesuchte Künstlerin ganz andere. Ihre Familie erlebte generationenübergreifend erzwungene Mobilität/Migration. Die Künstlerin mit palästinensischer und libanesischer Herkunft lebt heute in London und Berlin.
Das von uns aufgegriffene Foto stammt aus einer Performance. Zwischen 1980 und 1988 machte sie zahlreiche Straßenperformances – Roadworks, die das unbeteiligte Passanten zu Publikum machen. Als sie Mitte der 1980 Jahre barfuß durch London lief, reagierte sie damit zudem auf die Rassenunruhen zwischen schwarzer Bevölkerung und weißer Polizei. Ihre Performance verweist auf ungleiche Chancen, Diskriminierung und dem Widerstand dagegen. Die Springerstiefel waren ein divers zu lesendes Symbol: Punk?, Skinhead?, Polizei? Ganz einfach und so prägnant.

April-April-Lösung: Ernst Jandl fragte danach, wo denn der König von Humor bleibt.

KunstRätsel 040


Damit uns das Lachen nie und nicht und nimmer vergeht. Die drängende Frage nach dem Humor haben wir uns als „Nicht-Vergessen-Sticker“ an die Wand geklebt. Anstoß dafür war eine Zeichnung, ein Portrait, das uns ein guter Bekannter, Physiker und Künstler, schenkte. Der von uns gesuchte Wortkünstler, gebürtiger Österreicher mit den Lebensdaten 1925 – 2000, ist darauf zweifach abgebildet. Wir könnten mit diesem Kunsträtsel also nach zwei Künstlern fragen: Von wem stammt das Portrait? Vom wem stammt das Gedicht? Wir fragen nach letzterem. Er selbst sagte auf die Frage, zu welcher poetischen Richtung er zu zählen sei „man nimmt nach Belieben ‚zu keiner‘ oder ‚zu meiner‘ als eine Antwort“. Mehr Hinweise gibt es zu diesem verzwickten KunstRätselFall nicht. Wir behaupten, man muss ihn kennen.

Zur Lösung des März-Rätsel: Rotraut Susanne Perner ist die von uns als Familie sehr geschätzte Kinderbuchgestalterin.

KunstRätsel 039


Bedingt durch unseren Familienzuwachs ändern wir unsere Lektüregewohnheiten: Unsere Bibliothek umfasst jetzt neben kunst- und kulturtheoretischen Publikationen, Klassikern der Literaturgeschichte und aktueller Belletristik zunehmend auch das Spektrum Kinderbuch. In den Kosmos einer deutschen Kinderbuchgrafikerin tauchen wir mit diesem KunstRätsel. Nicht nur unser Löwenmädchen sondern auch wir sind von Wimmlingen und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern angetan. Sowohl von Buchseite zu Buchseite als auch durch die Jahreszeiten entfaltet sie einen Kosmos an größeren und kleineren Geschichten, alltagsnahe und detailreich ohne überladen zu wirken. Bei ihr findet man keine glupschäugigen Charaktere, keine Manga-Verschnitte in den menschlichen Proportionen, keine trendigen Posen und keine anbiedernde Kindersprache.
Besonders geliebt von uns wird der kleine Timmy, dem sein Hasenluftballon entwischt und der im Herbst die Ziege füttert bevor er mit seiner Mama zum Laternenumzug geht. Und dann gibt es da auch Petra, die immer und überall ein Buch dabei hat und liest – fast wie wir. Wer ist die Zeichnerin dieser Kinderbücher?

Lösung-Rebhuhn: Kurt Palm

 

KunstRätsel 038

Auf dem Güterweg Kellerbauer während der Kälteperiode im Jänner fand Johannes dieses KunstRätsel-Motiv. Road Kill. Was tote Tiere über den gemeinsamen Lebensraum von Mensch und Natur erzählen, welche Tiere dabei wortwörtlich auf der Strecke bleiben, stellte der von uns gesuchte Allround-Künstler 2014 in Wien aus. Auf weltweiten Reisen dokumentierte er seine Begegnungen mit toten Tieren. Im Gegensatz zum Rebhuhn scheint der gebürtige Oberösterreicher nie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein, sondern ist grad immer zur rechten Zeit mit den richtigen Themen befasst: von Mozart über Brecht, Phettberg und Stifter, von Bad Fucking nach In-Schwimmen-zwei-Vögel bis hin zum Palmsamstag. Demnächst liest dieser Schriftsteller, Drehbuchautor und Essayist sowie Filme- und Theatermacher aus dem Roman Rottensee / Monster.

Jänner-Lösung: Erwin Wurm, das Essiggurkerl.

Ausstellung „Von Ausland bis Zwirnknopf“


Im Therapiezentrum Linzerberg ist von 5. Jänner bis 30. April die Ausstellung „Von Ausland bis Zwirnknopf“ zu sehen.
Als großes Vergnügen erlebe ich es, mich von einem Thema zum nächsten, von einer Methode zur andern tragen zu lassen und die Ideen in Form zu bringen, zu denen es mich gerade hinzieht. Die Ausstellung präsentiert Collagen, Papierschablonendrucke und Monotypien aus unterschiedlichen Schaffensphasen ̶ eben von Ausland bis Zwirnknopf.

Therapiezentrum Linzerberg
Linzerberg 45c, 4209 Engerwitzdorf
Tel: 07235 63 251 571

KunstRätsel 037


„Es geht auch anders, doch so geht es auch.“ könnte man mit Brecht auf die Frage nach dem Künstler-Selbstportrait antworten. Die Herausforderung der Selbstdarstellung wurde für Künstler in der Renaissance virulent und seither variantenreich bearbeitet. Hintergrund dieses KunstRätsel ist eben das Selbstportrait eines etablierten, für den internationalen Markt funktionierenden österreichischen Künstler-Helden. Interessant ist, dass man dem Objekt seines Selbstportraits nicht nur in Salzburg auf dem Furtwänglerplatz begegnet, sondern auch, wenn man mit dem Auto in Eferding in der Nähe des efko-Werksgelände unterwegs ist. Ja, ja wird man denken: Steuerfinanzierte Kunst für alle. Da wie dort der öffentliche Raum, da wie dort die große, aufrechte Form der Gurkerl, da wie dort die Betonung des individuellen Charakters und des Wertes jeder einzelnen Gurke.
Ganz im Sinne des von uns gesuchten Künstlers, der mit seiner Arbeit ja die Grenzen des Medium Skulptur auslotet – gelingt dies quasi perfekt: 1:1 fallen Produkt und Portrait in eins. Dass für efko thematisch nichts naheliegender ist als diese essigsauren Objekte, liegt auf der Hand. Dass sich der von uns gesuchte one-minute-sculpture-Künstler als Selbstportraits ebenso dieser essigsauren Objekte bedient, ist da schon kurioser. Haben sie sich etwa von der gleichen Werbeagentur beraten lassen? In diesem Sinne: „Es geht auch anders, doch so geht es auch.“
Übrigens, der Verzehr von Essiggurkerl zum Frühstück des Neujahrstages gilt in vielen Ländern als glücksbringend.

Im Dezember 2018 spielten wir uns mit der Verzückung der Heiligen Therese und dem Engel, der mit dem Pfeil auf ihre Wunde zielt. Giovanni Lorenzo Bernini, der Meister der italienischen Barock-Skulptur, schuf dieses Ensemble um die Mitte des 17. Jahrhunderts.

KunstRätsel 036


Mit dieser Annäherung an ein populäres Werk der römischen Barockskulptur schließen wir unser drittes KunstRätsel-Jahr.
Dieses Marmorensemble aus komplizenhaft lächelndem Engel und verzückter Heiligen schuf DER legendäre Meister des römischen Barock. Die Szene selbst basiert auf der Niederschrift der Vision, die die dargestellte spanische Karmelitin und Mystikerin Theresa von Avila verfasste. Der von uns gesuchte Bildhauer übersetzte die Worte mit denen die Heilige ihre Vision beschrie quasi wortgetreu in Carraramarmor. Die Ambiguität zwischen erotischer Sinnlichkeit, schmerzvollem Leidensausdruck und religiösem Gesamtkontext irritierte bereits die Zeitgenossen des von uns gesuchten Bildhauers. Seit 1652 ist die dreieinhalb Meter hohe Figurengruppe in der Corono-Kapelle der Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom zu finden. Die Inszenierung des Dramas und die Choreographie des Pathos – mit etwas bienenartig geratenen Flügel – machte für uns das 036. KunstRätsel erneut vergnüglich. Wir tun als ob wir große Künstler seien. Fortsetzung folgt!

Adrian Piper war die gesuchte Künstlerin des November Rätsels.

KunstRätsel 035

Artikel 19 der Menschenrechtskonvention artikuliert das Recht auf Meinungsfreiheit und Meinungsäußerung. Dieses fundamentale Recht zu Sprechen, sich auszudrücken, sich selbst einzubringen – und gehört zu werden, ist immer wieder beschnitten. Durch uns selbst, oder durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die Formen der Zensur sind vielfältig.
Die von uns gesuchte Künstlerin thematisiert mit der Performance aus dem Jahr 1971 ihr „Schwarz sein“ im weißen Amerika. Ihre künstlerische Karriere begann in der zweiten Hälfte der 1960 Jahre mit den sogenannten „LSD Paintings“. 1987 erhielt sie als erste Afroamerikanerin eine fixe Anstellung als Professorin für Philosophie. Das von uns interpretierte Foto war 2002 bei einer Retrospektive in der Generali Foundation, Wien ausgestellt. Es ist eines von fünf schwarzweiß Fotos der Performance.
Seit über zehn Jahren arbeitet die Konzeptkünstlerin in Berlin, wo es seit 2002 zu ihrer Person und ihrem Schaffen ein Forschungsarchiv gibt. Es hat sich der Schnittstelle Kunst, Philosophie und Yoga verschrieben. Die Stiftung vergibt ein Stipendium für Forschungsprojekte, die zwei scheinbar unvereinbare Forschungsbereiche verschränkt.

Im vergangenen Monat bearbeitete Johannes ein Wolkenfoto, ganz im Stile von Flaka Haliti und ihrer zehnteiligen Serie „I See a Face. Do You See a Face“ aus dem Jahr 2014. Hier dazu noch eine Bonus-Arbeit von Johannes: