Unterwegs in Österreich

Aus dem Vorhaben von zu Hause, vom Fröhlichland, nach Cuxhaven zu radeln wurden Sechs Wochen Österreich.

Pfingstsonntag, 23. Mai 2021

Es regnet und wir verlassen die heimische Komfortzone. Gut verpackt ging es bis zum Freistädter Bahnhof. Aus dem unsportlichen Alltag kommend, will ich nicht gleich mit vierzig Kilometer Mühlviertler Hügeln starten. Oma und Opa winken unserem Zug nach. Die Strecke der Mühlkreisbahn ist auch bei diesem Wetter schön.

Das Wetter. Es beschäftigt mich sonst nie derart. Aber mit dem Rad unterwegs macht es einen gewaltigen Unterschied. Viele Erinnerungen kommen hoch. Da ist er wieder, der gut asphaltierte Radweg mit der Donau im Blickfeld und die Erfahrung, wie anders es sein kann. Da sind sie wieder, die Felsbirnstauden in Au an der Donau, die vor zwei Jahren im Juni bereits lecker reife Früchte trugen. Da ist er wieder, der Schmerz der Sitzschwielen. Selbst das vertraute Linz ist vom Rad aus gleich anders als zu Fuß. Und dann geht es die Donau entlang. Bis Enns radeln wir, wo wir bei lieben Freunden im Wohnzimmer schlafen dürfen.

In Enns trocknen wir unsere Sachen und freuen uns gut versorgt und in wohltuendem Kontakt den Abend zu verbringen.  

Pfingstmontag, 24. Mai 2021, Enns – Grein

Spielen, frühstücken, zur Teststraße fahren – die kommende Nacht werden wir nicht EINFACH SO wo verbringen können, alles regensicher verpacken und los geht es.

Gelegentlich* stoppen wir um Schnecken vom Asphalt zu entfernen. Und auch über die zweite gesichtete Weidenbohrer-Raupe in meinem Leben freue ich mich. An die zehn Zentimeter ist das Tier groß. Faszinierend! „So bekämpfen sie diesen Schädling“ kann dazu auf ‚Mein schöner Garten‘ nachgelesen werden. Dass Leute Gärten haben, um dort Kämpfe gegen diese Raupe auszutragen …

Bei Regen radeln wir in Grein ein und freuen uns wieder über ein trockenes Zimmer. Zelt und Gaskocher lassen wir bei dieser Wetterlage lieber in den trockenen Packtaschen.

*Laut Johannes entspricht das nicht der Wahrheit. Er meint, dass wir alle Weinbergschnecken, die sich zwischen Enns und Grein auf den Radweg verirrt haben, wieder ins schützende Grün befördert haben.

DI, 25. Mai 2021, Grein – Aggsbach

Bis Aggsbach kamen wir heute. Weder wurden wir nass noch haben wir einen Sonnenstich oder Sonnenbrand. Zudem sind wir auf der sonst heiß begehrten Etappe in die Wachau am Radweg so gut wie allein unterwegs. Die Rahmenbedingungen sind somit quasi perfekt.

Dieses Jahr nehmen wir ja auch nicht die tausenden Kilometer bis zum Schwarzen Meer. Aber zu vielen Passagen habe ich Erinnerung, klare Bilder und diffuse Gefühle. Das der einzige Anstieg zwischen Linz und den Kaparten, der Miniatur-Bühel in Schönbühel, mich vor zwei Jahren tatsächlich irritiert hat, lässt mich heute schmunzeln.

Der Lockdown der Blauen Blunz’n dauerte definitiv bereits länger als läppische 197 Tage. In Aggsbach im Radlerhof Kiensberger bekommen wir, als erste Gäste mit großem Gepäck in diesem Jahr, ein geräumiges Zimmer mit Blick auf die Donau.

Nach den Stunden im Radlsitz sorgt jetzt Pippilotta für ihre Bewegung.Das nahegelegene Gasthaus hat kein Abendessen für uns, aber hier im Haus werden wir mit einer klassischen, leckeren Jause und dem hauseigenen Marillennektar bestens versorgt.

Kurz vor Sonnenuntergang zeigt sich seit Tagen tatsächlich die Sonne. Also ob sie sagen wollte: „Ob du es glaubst oder nicht, mich gibt es auch noch!“

MI, 26. Mai 2021, Aggsbach – Zwentendorf

51 km von Aggsbach bis zum Campingplatz Zwentendorf wurden es heute. Das erste Mal seit unserem Start im Fröhlichland schien die Sonne. Das erste Mal waren wir ohne Regen-Montur unterwegs.

Die Strecke entlang der Donau ist schön, der Radweg asphaltiert (was selbst für einen ausgewiesenen Radweg keine  Selbstverständlichkeit ist, wie ich inzwischen weiß), ausgeschildert und immer wieder kommen wir an einladenden Rastplätzen mit und ohne Gastronomie vorbei.

In Krems machen wir eine längere Pause. Ich gehe in die Kunsthalle zur Ausstellung von Patricia Piccinini. Pippilotta und Johannes gegenüber ins Poldi Fitzka. Wie gut, es gibt wieder Gastgartenbetrieb!

Das erste Mal ist es heute so warm dass wir  im Zelt schlafen. Unkompliziert ist es hier am Campingplatz Zwentendorf. Eine Wiese übersäht mit Gänseblümchen und saubere Sanitäranlagen. Was will man mehr!

Von der freundlichen Vermieterin in Aggsbach hat Pippilotta, sehr zu ihrer Freude und deutlich weniger zu unserer, zwei weitere Mitreisende bekommen. Mit drei Kuscheltieren fuhren wir los. Jetzt sind es bereits sechs. Auch in Enns bekamen wir Zuwachs. Noch zwei, drei und wir können uns mit ihnen  zudecken und dafür einen der Schlafsäcke zurücklassen um das Packvolumen unseres Gepäcks zu reduzieren.

 

ZWENTENDORF – KLOSTERNEUBURG, DO, 27. Mai 2021

Unruhig war die Nacht in Zwentendorf und feucht der Morgen, aber nicht feucht genug um uns vom Frühstück unter zwei Birken neben unserem Zelt abzuhalten. Wir radelten flott los und – hatten unsere Handys am Strom hängen gelassen! Wir drehten um, Pippilotta und ich bezogen Stellung im nächsten Gasthaus und Johannes radelte ohne Anhänger und Gepäck um die Telefone. Rund zwanzig Kilometer extra werden es für ihn gewesen sein.

Über die Covid-Regeln machen sich zwar viele lustig, wie auch hier in dem Gasthaus, in dem wir den späteren Vormittag verbrachten, aber doch sitzen die meisten ein wenig weiter auseinander und mit einem Auge werden von der Wirtin unsere Tests angeschaut – allerdings erst als Johannes mit den Handys zu uns dazu kam.

Elf Uhr und die eine handvoll Pensionisten sitzt bei ihrer Bieren, – geh bring ma nu oans Gerti – debattiert über die Verwendung von Schneckenkorn, die Fleischpreise und aktuelle Aktionen in einem Prospekt. Pippilotta sortiert bei einer Frucade ihre 121 Kiesel-Glückssteine. Ich bin froh als Johannes mit den Telefonen zurück kommt! Zwölf Uhr, die Männer gehen heim zum Essen ihrer Frauen. Wir bleiben und essen auch.

Wir radeln bis zum Campingplatz Klosterneuburg. Die schöne Strecke haben wir auch heute so gut wie für uns alleine. Schicke Gegend, mit schicken Wochenendhäusern. Nur dazwischen sieht es gelegentlich nicht so aus wie in einer Tourismus-Broschüre.

WIEN, FR 28. – SA 29. Mai 2021

Zelt, Packtaschen, Räder und Anhänger bleiben für heute und die kommende Nacht in Klosterneuburg am Campingplatz. Wir fahren nach Wien und treffen Freunde, bei denen wir auch übernachten.

 

Klosterneuburg – Tulln, SO 30. Mai 2021

Man sieht es nicht, aber wir sind Donau aufwärts unterwegs. Ja, mach nur einen Plan. Das diesjährige dauerhaft kalte Mailüfterl hat uns zugesetzt. Mutter und Kind sind so lädiert und geplagt, dass wir nach einer Woche Radeln entscheiden ein paar Erholungstage zu Hause im Warmen einzulegen.

Ein Stillleben noch von der vorerst letzten Mittagsrast rund 12 km ausserhalb von Tulln wo wir am späteren Nachmittag von Rosa und Flo abgeholt werden. Danke!