Der Zwiebe. Die Kunst. Eine Parabel

Es war einmal ein Künstlerpaar das monatlich ein Werke einer anderen Künstlerin oder eines anderen Künstlers imitiert. Eines Tages griffen sie die Performances eines Künstlers auf, der um das Verhältnis von Kunst und Leid zu thematisieren, Zwiebel so schwer wie sein Körpergewicht, in Ringe schnitt.
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Sie schälten und schnitten Zwiebel feinsäuberlich in Ringe. Gut zehn Stunden brauchten sie für 65 Kilo. Es war anstrengend, die Handgelenke schmerzten ihnen, ihre Augen tränten, ihre Halswirbeln und Rückmuskeln verspannten sind. Sie hatten den billigsten Lager-Zwiebel, den es zu dieser Zeit im Handel gab, in zehn Kilo Säcken erstanden. Sonst verarbeiten und speisen sie ausschließlich reinen Bio-Zwiebel.
Am frühen Nachmittag hatten sie begonnen und endlich, rund um Mitternacht war es geschafft: zwei Berge, links die Zwiebelschalen, rechts die Zwiebelringe, türmten sich neben dem Tisch. Ein paar Kilo bewahrten Sie in sauberen Behältern auf. Zwiebel-Quiche, Zwiebel-Apfel-Schmalz und Gulasch sollten daraus entstehen. Alles andere, so haben sie geplant, war für den Kompost. „Wir geben es einfach der Erde, dem natürlichen Kreislauf zurück,“ so der Künstler. Die Scheibtruhe mit den Zwiebeln für den Kompost ließen Sie neben ihrem Haus stehen. Er konnte auch am nächsten Morgen noch kompostiert werden.
Als Sie am nächsten Morgen die Scheibtruhe mit den Zwiebelschalen und den Zwiebelringen holen wollten, war diese mit blauer Plane abgedeckt. Papa: „Was sagen da die Leute! Wenn das jemand sieht, wie wir mit Lebensmittel urassen!“ Mama, mit einer Hacke in der Erde stochernd, presst mit weinerlicher Stimme heraus: „Ich hätte euch für gescheiter gehalten. Die frischen Zwiebel, eine ganze Scheibtruhe voll. Sollten Künstler nicht Vorbilder sein? Andere wären froh, wenn sie etwas zu essen hätte.“