Rainer Stangl „Ay ay Blume!“

„Die breite Palette an Motiven ist in den Gemälden Spangls mit der gleichbleibenden Methode der Übersetzung ins Bild gekoppelt. Dieser Aspekt macht für mich die Spannung in seinen Arbeiten aus. Mit den Werken von Spangl lassen sich von ihm beobachtete und übersetzte Strukturen gesellschaftlich konstruierter Hierarchien ausloten. Er entlarvt sie, alles wird auf gleichförmige Elemente nivelliert. „Ay Ay Blume“ – so der Titel der Ausstellung den Rainer Spangl gewählt hat. Das lautmalerische [:ai:] referiert auf das Salutieren als untertänige Geste gegenüber einer Obrigkeit: „Ay Ay Sir!“ Mit Blick auf die präsentierten Gemälde klingt darin auch die Frage nach der Hierarchisierung und zugeschriebener Wertigkeit von Dingen, Objekten oder auch Plätzen, an. In einer Zeit, die vom Bedarf nach Aufmerksamkeit, von manipulativen Methoden des Sichtbarmachens geprägt ist, löst sich in den Werken von Spangl jegliche Art von konstruierter Hierarchie und Zuschreibung in gleichwertige Farbelemente auf. Gleich auf welches Motiv er seine Aufmerksamkeit fokussiert, gleich ob historisches Sammlungsobjekt, alternde Äpfel im Flechtkorb oder sommerliche Haufenwolken – im Herstellungsprozess der Gemälde wird alles in gleichförmige Partikel übersetzt. Spangl dazu: „Wenn es etwas gibt, dem ich salutiere, dann ist es die Blume.“

Textauszug

Publiziert in: Katalog des Ausstellungszyklus 2009-11 der Initiative akta Salon Schreinergasse (St. Pölten), ISBN 978-3-9503054-0-1